von Karen Beck

Vorstellungen in Beziehungen

3. Teil – Wie gehen wir mit unterschiedlichen Vorstellungen um?

Es ist in der Tat immer wieder eine Herausforderung, mit unterschiedlichen Vorstellungen in Beziehungen umgehen zu lernen: Wir neigen dazu emotional zu reagieren, wenn das Gegenüber anders tickt und finden uns schneller in Diskussionen und Konflikten wieder, als uns lieb ist. Wir sind verunsichert, gar gekränkt, wenn der Partner unbedingt alleine verreisen will oder nichts von gemeinsamen Hobbys hält. Des Öfteren erleben wir die Unterschiedlichkeit als trennend und manchmal sogar als bedrohlich. Noch immer spukt die romantische Vorstellung in unseren Köpfen herum, je geringer die Unterschiede, umso wahrscheinlicher gelingt die Beziehung. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Es braucht einen realistischen Blick auf die Beziehung. Er ist notwendig und schließt trotzdem romantische Momente nicht aus. Es braucht die Erkenntnis, dass Beziehungs-realismus zu leben nachhaltiger ist als unterschiedliche Vorstellungen nicht anzusprechen, wie beispielsweise: Wie stellst du dir unsere Urlaube vor? Wie die Aufteilung der Haushaltsarbeit? Wie viel Gemeinsamkeit ist dir wichtig? Gemeinsame Hobbys oder eher nicht? Getrennte Konten, gemeinsames Schlafzimmer?

Als Eltern ist es sinnvoll, sich frühzeitig über folgende Fragen auszutauschen: Wie stelle ich mir meine Elternrolle vor, wie das gemeinsame Familienleben? Was habe ich eigentlich für Wertvorstellungen? Was ist mir wichtig und wertvoll, dass ich es gern meinen Kindern mitgeben möchte? Was ist dir wichtig? Und wie kann es uns gelingen, diese Wertvorstellungen im Alltag zu leben? Es sind keine einfachen Fragen. Das ist mir bewusst. Sie sind zwar einfach zu stellen, aber nicht einfach zu beantworten. Trotzdem dürfen wir sie uns immer wieder stellen.

Wenn wir folgende Schritte beherzigen, gelingt ein gelassener Umgang mit unseren unterschiedlichen Vorstellungen:

  1. Sich seiner Vorstellungen bewusst werden: welche Wünsche verbergen sich dahinter, welche ungestillten Bedürfnisse.
  2. Sie auszusprechen, so konkret wie möglich und in einen Dialog zu gehen, d. h. sich zu öffnen, seine eigenen Gefühle mitzuteilen, sich auf sein Gegenüber einzulassen und sich für ihn zu interessieren. Es geht darum, sich gegenseitig die eigene Welt zu zeigen: So ist es für mich – wie ist es für dich? Neugierig zu bleiben statt zu bewerten und überzeugen zu wollen, welche Vorstellung von beiden die bessere ist.
  3. Die Fähigkeit entwickeln zuzuhören. Zuzuhören nicht mit der Absicht, um zu antworten, sondern um zu verstehen oder auch um zurückzumelden: Ich denk darüber nach und komme wieder auf dich zu, im Augenblick bin ich überfordert.

Vorstellungen sind meiner Meinung nach hilfreich, solange sie uns ermutigen und/oder Orientierung geben. Problematisch wird es, wenn sie sich verfestigen und nicht mehr mit dem Leben vereinbar sind. Dann sollten wir sie hinterfragen, fragen, ob es noch sinnvoll ist, an ihnen festzuhalten. Wir können entscheiden, ihnen weiter hinterherzulaufen und uns unglücklich zu machen, oder aber wir lernen sie entweder loszulassen oder der Realität anzupassen.

Zurück