von Karen Beck

Der verflixte Vorwurf

3. Teil Wie lassen sich Vorwürfe verwandeln?

Nicht übers Wünschen und auch nicht über Nacht. Geschenkt bekommen wir es auch nicht. Es ist Arbeit an sich selbst und an der Beziehung. Es ist eine tägliche Lernaufgabe, ein Übungsfeld, wem das Wort Arbeit nicht gefällt. Ganz besonders in herausfordernden Zeiten ist die Rückfallquote in eine Vorwurfshaltung groß.

  1. Es braucht Achtsamkeit und Innehalten, um seinen eigenen Bedürfnissen auf die Spur zu kommen.
  2. Es braucht die Bereitschaft, Verantwortung für seine eigenen Bedürfnisse zu übernehmen.
  3. Es bedarf der Übung, Erwartungen in Wünsche zu verwandeln und eigene Gefühle und Wünsche in Ich-Botschaften auszudrücken.

Das eine betrifft den Kontakt zu sich selbst (Selbstwahrnehmung) und eine bewusste innere Haltung (ich bin für mein Leben, meine Gefühle und meine Bedürfnisse verantwortlich), das andere die Paarkommunikation auf Augenhöhe.

Anstatt eines Vorwurfs könnte es heißen: „Ich habe mich geärgert, weil dein Frühstücksgeschirr seit heute früh in der Küche steht. Ich möchte in Zukunft gerne, dass du es wegräumst oder könntest du es bitte direkt in die Spülmaschine tun. Wenn der Vorwurf bereits im Raum ist, könnte der “Getroffene“ herausfinden, was eigentlich Sache ist und direkt den Partner fragen: „Was willst du von mir? Um was geht es dir?“ „Was möchtest du mir eigentlich sagen?“ „Was fehlt dir?“, statt mit einer üblichen Rechtfertigung zu kontern.

Wir ändern unsere Vorwurfshaltung, indem wir über unsere Gefühle sprechen, die dahinter liegen. Wir offenbaren unsere Bedürfnisse und zeigen unsere verletzliche Seite. Nähe kann wieder entstehen. Vorwürfe und Schuldzuschreibungen dagegen verhindern Beziehung, erzeugen Distanz und manchmal sogar Mauern. Konflikte und Probleme bleiben auf diese Weise ungeklärt.

Wer sich also mehr Nähe in der Beziehung wünscht, respektvollere Begegnungen und Verständnis, wird nicht drum herumkommen, sich mit seiner Vorwurfshaltung auseinanderzusetzen und den verflixten Vorwurf in Angriff zu nehmen.

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