von Karen Beck

Der verflixte Vorwurf

2. Teil – Wie sieht ein Vorwurf aus und wie gelingt ein gelassener Umgang?

Vorwürfe stecken hinter

  1. negativ gemeinten Du-Botschaften: „Du bist zu spät gekommen und lässt mich warten.“ „Schon wieder hast du den Haustürschlüssel vergessen!“ „Du nimmst mich einfach nicht ernst!“
  2. Verallgemeinerungen mit „immer“ und „nie“: „Immer lässt du dein Geschirr stehen.“ „Nie höre ich ein Kompliment für mein Aussehen.“ „Ständig hast du an mir etwas auszusetzen.“ „Immer ist dein Sport wichtiger als ich.“
  3. Schuldzuschreibungen: „Mit deiner schlechten Laune hast du mir endgültig den Tag verdorben.“

Das sind die Klassiker unter den Vorwürfen. Weitere Beispiele sind Vergleiche, Übertreibungen, Drohungen, ironische Bemerkungen („Das hast du wirklich großartig gemacht. Ich leih dir meine Kopfhörer und du lässt sie liegen“). Ein beliebtes Mittel ist auch das Zitieren von Zeugen und Verbündeten („Dein Bruder ist auch der Meinung, dass du unzuverlässig bist!“)

Allen Vorwürfen gemeinsam ist eine negative Sichtweise. Ein eigenes Problem oder ein unangenehmes Gefühl, z. B. Enttäuschung, Ärger, werden am anderen festgemacht und mit dem absoluten Anspruch versehen, Recht zu haben. Eine solche Haltung fordert das Gegenüber zu einem sofortigen Widerspruch auf. Gefühle übernehmen das Ruder. Je nach Veranlagung und Tagesform geht die Post ab.

Wie gelingt ein gelassener Umgang?

Vorwürfe sind, wie wir bereits erfahren haben, einerseits Ablenkungsmanöver, andererseits Veränderungswünsche an den Partner. Dies im Hinterkopf zu behalten, hilft Vorwürfe weniger persönlich zu nehmen.

Wenn wir uns dann auch noch vergegenwärtigen, dass sie mehr mit unserem Partner, mit seiner Sichtweise zu tun haben als mit uns selbst und dass es nicht um unsere Person als Ganzes geht, sondern nur um ein bestimmtes Verhalten, ist bereits viel gewonnen.

Letzteres fällt Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl besonders schwer. Sie sind schnell gekränkt und hören Vorwürfe an vielen Stellen, an denen gar keine ausgesprochen wurden. Ihr Misstrauen steht ihnen im Weg. Sie denken selbst schlecht von sich und sind der Meinung, dass andere ebenfalls schlecht über sie denken.

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